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Plattenwerk Johannstadt Dresden

Konzept für eine Freiluftplattenbaumicromuseumslandschaft

Mit dem Erich Kästner Museum in Dresden hat robarchitects 1999 erstmals mit der Umsetzung seiner micromuseumskonzeption begonnen. Seit der Eröffnung im Februar 2000 haben mehr als zwanzigtausend Besucher das maßgeschneiderte, wachsende Bausteinmuseum besucht und sich mit Begeisterung ihren individuellen Zugang zu der komplexen Kästner-Welt erschlossen.

Ein Stück städtischer Landschaftskunst, ebenso auf microarchitektonischem Konzept basierend, ist das Museumsprojekt auf dem Gelände des ehemaligen Plattenwerks in Dresden-Johannstadt. Auch hier durch Neuzusammensetzen architektonischer Elemente, um das genaue Beschauen der Welt im Kleinen, um die Welt im Großen und die Relativität von Größe zu verstehen; um die Methodik, aus Teilen ein Ganzes zu machen/ mit einer pointierten Auswahl an Fragmenten das macro anzudeuten, durch lebendige Denkmalpflege in einer ressourcensparenden architektonischen Gesamtdramaturgie Vergangenheit und Gegenwart mit einander zu verknüpfen.

Auf einem 70 Hektar großen Areal inmitten des Wohngebietes Johannstadt produzierte das "Plattenwerk Johannstadt" von 1958 bis zu seiner Stillegung 1990 Betonplatten für den sozialistischen Wohnungsbau. Als einem der ersten Plattenwerke der DDR kam ihm in dem zerstörten Dresden besondere Bedeutung zu: die Trümmer der zerbombten Stadt wurden nicht weggeschafft, sondern für den Wiederaufbau recycelt. Die Ziegel wurden zu Split gemahlen, mit Beton gemischt und anschließend zu Blocksteinen und Platten gepreßt.

Nach Auffassung von robarchitects und des Vereins IG Platte, Impulsgeber für die Erhaltung des ehemaligen Plattenwerks, gehört der Plattenbau ebenso zur Identität Dresdens wie Frauenkirche und Semperoper. Mit dem Konzept für das bundesweit erste Plattenbaumuseum gelang es, der Stadt für die nächsten zwei Jahre einen 15 Meter breiten und 100 Meter langen Randstreifen des Werksgeländes abzuhandeln; während das restliche Gelände nach 11 Jahren des Brachliegens auf Druck einer Anwohner-Bürgerinitiative zum Abriß freigegeben wurde, retteten die Museumsmacher, was zu retten war: das alte und mittlerweile sanierte Pförtnerhäuschen, eine originale Werkslampe, das alte Kiessilo und etwa 50 Tonnen Baumaterial: Ziegelsplitt, Stahlrahmen, Bewehrungsmatten, bunte Fließen, Außenwandplatten und Formsteine.

Auf dem inzwischen bereinigten Gelände wird das Material bis zur abschließenden Klärung noch offener rechtlicher und finanzieller Fragen in bereits chronologischer Reihenfolge zur Besichtigung in Kisten zwischengelagert. Langfristig will robarchitects aus den besten Funden einen in den Boden eingelassenen, collageartigen Landschaftsteppich – die Betonzeitschiene – als lebendiges vor Ort-Denkmal für Kunst, Recycling und Geschichte fertigstellen. Erlebbar, begeh- und wahrnehmbar wird so auf minimalistische Weise ein Stück deutscher Geschichte, vor allem aber die Geschichte des Plattenbaus. Sandsteinstücke erinnern an das Carola-Krankenhaus, das vor seiner Zerstörung am 13. Februar 1945 während des Hitlerregimes zu einer SA-Schule umfunktioniert wurde. Für die historische Zäsur und den Beginn der DDR-Geschichte steht das originale Pförtnerhaus des ehemaligen Plattenwerks, an welches sich Belege der technologischen Entwicklung und der Suche nach Wohnraummodellen als Ausdruck eines kollektiven Selbstverständnisses anschließen.

Die recycelte Plattenbaugeschichte in Pillenform steht nicht nur in eindrücklichem Dialog mit den sie unmittelbar umgebenden Plattenbauten (macro), sondern sie verweist auch auf vielfältige zukunftsorientierte Fragen, wieviel Platz z.B. ein Mensch benötigt, wie Wohnen in der Stadt aussehen wird und welche Rolle dabei modulares Bauen spielen könnte.

Behandelt wird auch die Frage nach dem Wert der Dinge: was normalerweise als "Schrott" abgetan wird, steht hier für das ganz und gar nicht nostalgische Unterfangen, aus Zerstörung etwas gänzlich Neues zu schaffen, und dennoch wichtige historische Aspekte in die Gegenwart zu transportieren.



robarchitects

Dresden, 30.6.2002

 
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robarchitects Vita Ruairķ O'Brien