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Microarchitecture als Neubelebung alten Bestands
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Eine zentrale Aufgabe microarchitektonischer Objekte/ Bauten, wenn sie in alte Bausubstanz eingesetzt werden ist, Neu und Alt, Tradition und Moderne in einer architektonisch-stofflichen Gesamtdramaturgie miteinander zu verbinden, um auf behutsame, ökonomisch wie ästhetisch sparsame Weise das Vorhandene wieder lebendig zu machen.
Durch den pointierten Einsatz von low tech und high tech kann, je nach Thema/ Gebäudeart/ Nutzung, die vorhandene Identität zur Entfaltung gebracht und in Einklang mit dem Neuen gesetzt werden, so dass alle Facetten der Geschichte eines Ortes zugleich gegenwärtig werden. Der Brückenschlag zwischen (baulicher) Vergangenheit und Gegenwart eröffnet zahlreiche Sicht- und Verständnisfenster, er ermöglicht eine neue, positive Begegnung mit dem Alten und erleichtert damit vor allem auch jungen Menschen das Verstehen von dessen Schönheit. Das sprichwörtliche Einpflanzen eines neuen architektonisch-thematischen Herzens, das (Wieder-) Herstellen einer öffentlichkeitswirksamen, microklimatischen Nische inmitten der Stadtkultur kann, wie u.a. das Erich Kästner Museum und das Projekt "Baustelle Deutschland" gezeigt haben, sogar an "Unorten" erfolgreich sein.
Diese lebendige Denkmalpflege erfüllt den Anspruch, zu bewahren und in die Gegenwart/ Zukunft zu transportieren. Vielleicht ist es gerade der andere Blick des spartenübergreifend arbeitenden Architekten als Denker und Künstler, der es ermöglicht, das Wesenhafte eines architektonisch/ städtebaulichen wie thematischen Stoffes herauszuschälen und vermittels eines vielseitigen Instrumentariums auf mehreren Ebenen für Viele nutzbar und zugänglich zu machen. Das Erich Kästner Museum Dresden (www.erich-kaestner-museum.de) ist dafür ein anschauliches Beispiel.
Dieses minimalistische, multifunktionale micromuseum bildet eine Schnittstelle zwischen Architektur, Kunst, Skulptur und Gebrauchsgegenstand. Es ist gleichzeitig autarkes Gesamtkunstwerk, Informationsskulptur, Vermittler ausstellungskonzeptioneller Kerngedanken und einzigartiges, interaktives Werkzeug. Die philosophischen, poetischen und pragmatischen Erwägungen hinter dieser neuartigen Konzeption, die auf ressourcensparendes Denken, flexibles Wachstum und einen neuen pädagogischen Ansatz der Selbsttätigkeit setzt, führen dazu, dass bisher nahezu 25.000 Besucher aller Generationen, vor allem auch Kinder und junge Menschen, die Inhalte auf bewusster wie unbewusster Ebene verstehen und sich zur Freisetzung der eigenen kreativen und intellektuellen Kräfte inspirieren ließen. Das micromuseum ist nicht nur baulich, sondern auch inhaltlich/ konzeptionell in autarken Schichten angelegt, so dass jede Zugangssuche von kurzweiliger Unterhaltung bis zu weitreichender wissenschaftlicher Recherche für den aktiven Gast erfolgreich wird.
Vergangenheit und Zukunft werden unter Aufhebung räumlicher Grenzen durch den Einsatz neuer Medien bei minimalstem Platzverbrauch miteinander verknüpft. Microarchitecture ist dafür prädestiniert, im virtuellen Raum, dessen Bedeutung stetig wächst, 1:1 übertragen zu werden. Darüber hinaus ist auch die Zukunft, das Unbekannte, auf ökonomische Weise in den microarchitektonischen Lösungsansätzen vielfältigster Ausprägung vorgesehen.
Ressourcensparendes, maßgeschneidertes Denken und Bauen ist besonders bei altem Bestand von großer Bedeutung. "Weg von der Wand/ Mauer" heißt, geringe Eingriffe in die vorhandene Bausubstanz vornehmen zu müssen und gleichzeitig über erhöhte gestalterische Möglichkeiten verfügen zu können. Microarchitektonische Bauten sind in mehrfacher Hinsicht wachstumsfähig und beweglich. Eine ihrer entscheidenden Leistungsstärken ist ihre Ortsunabhängigkeit. Als autarke, werbewirksame Identitätsträger können sie theoretisch in jeden Ort ein- bzw. umgesetzt werden und dort ihre plastisch-räumliche Faszination entfalten. Die Besucher, gleich welchen Alters, bekommen durch ihre Kompaktheit und Übersichtlichkeit einen spielerischen Zugang zur Architektur vermittelt. Zudem können die Inhalte dieser flexiblen Speicher je nach Erkenntnisstand modifiziert und erweitert werden. Ein solcher neuartiger "small is beautiful" Ansatz, der sinnliche, reale Elemente in einer besonderen Dramaturgie mit Medientechnik verbindet, entspricht zudem den aktuellen und künftigen Entwicklungen in der Informationsvermittlung wie in den Bereichen Kommunikation und Bildung.
Microarchitektonische Denk- und Lösungsansätze - ob in Form von Installationen, Objekten oder gesamten Gebäuden - sind immer ganzheitlich ausgerichtet und suchen im Sinne eines gesunden Pluralismus synergetische Beziehungen zu der sie umgebenden Macroarchitektur.
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