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Erich Kästner Museum Dresden
Das mobile interaktive micromuseum®
Seit seiner Eröffnung an Kästners 101.Geburtstag (23. Februar 2000) ist das Erich Kästner
Kästner gehört zu den unglücklichen Schriftstellern der Moderne. Er verbirgt sich in Leben und Werk in immer neuen Entwürfen eines "anderen Ich"; in der "Maske" aber verschwindet das "Gesicht". Sein Leben endete in Resignation, die letzten Jahre sind von einer Schaffenskrise überschattet. Diese Situation ist keine biographische Zufälligkeit, sondern sie resultiert aus dem Wandel des medialen Ortes und dem Verlust an politisch-gesellschaftlicher Repräsentativität von Literatur. Kästner hat diese Wandlungsprozesse nicht nur beobachtet, sondern er hat sie aktiv gestaltet und auch exemplarisch erleiden müssen.
Das neuartige Museumskonzept trägt auch dem Umstand Rechnung, dass Literaturmuseen, die zumeist Personalmuseen sind, über kein oder wenig Nachlassvolumen verfügen. Neben der wachsenden virtuellen Datenbank wird die lokale Ausstellung 6 Teile enthalten.
Im Museumskern wird anhand weniger, ausgewählter Originale eine Übersicht über Kästners Biographie mit werksgeschichtlichen Höhepunkten gegeben. In 12 von insgesamt 13 Säulen 6 sind bereits finanziert und ausgestellt, für die restlichen 7 werden noch Sponsoren und Spender gesucht - werden entsprechend der inhaltlichen Grundkonzeption anhand miteinander korrespondierender Exponate zum Anfassen (Fotos, Briefe, Urkunden, Theaterprogramme etc.) folgende thematische Schwerpunkte gesetzt:
In der 13. Säule, die als letzte Säule das Museum vervollständigen wird, werden ausschließlich Originale (Handschriften, herausragende Fotografien etc.) zu sehen sein, die ein auratisches Bild Kästners zeigen und, wie im Museumsbau selbst, die einzelnen Facetten zu einer Ganzheitlichkeit zusammenschließen.
"Erich Kästner, ein Deutscher aus Sachsen: Biographie und Heimat"
Es werden Exponate von den literarischen Anfängen in Leipzig und Dresden bis zur autobiographischen Reflexion ausgestellt. Auch die Rezeption in Sachsen und der DDR gehört zu diesem Themenbereich.
"...der Mann zwischen den Stühlen. Kästner ein Außenseiter wider Willen"
Erschlossen werden soll hier der Moralist und Gesellschaftskritiker Erich Kästner. Wo gehört er hin? In Leben und Werk selbst ein Verfechter bürgerlicher Werte, will er kein Außenseiter sein; aber die "anderen" ob "die Gesellschaft" oder andere Menschen besetzen zumeist die Rolle von Gegnern. Dies betrifft die Zensur im Dritten Reich, die Unterdrückung seines Werkes ebenso wie seine Beziehung zu ausgewählten anderen etwa den Frauen.
"Sie müssen wieder wie Kinder werden... Kästners Utopie"
Der dritte Schwerpunkt lautet: Kinder. Die Kinder sind die positiv anderen in Kästners Werk, die seine Rolle als "Moralist", die ihn den Außenseiter dann doch als den eigentlichen "Innenseiter" rechtfertigen. Hier geht es um Kinderliteratur, -film, -theater, aber ebenso um die Werkkategorie des "Kindlichen".
"Kästner und die Medien"
Dieser Schwerpunkt ist dem Autor zwischen den Medien gewidmet. Rekonstruiert Kästners "Modernität" und Geschick in der Nutzung der Printmedien, des Rundfunks aber auch der klassischen visuellen Medien vor allem des Films, aber auch des Theaters und des Kabaretts.
In der 13. Säule, die als letzte Säule das Museum vervollständigen wird, werden ausschließlich Originale (Handschriften, herausragende Fotografien etc.) zu sehen sein, die ein auratisches Bild Kästners zeigen und, wie im Museumsbau selbst, die einzelnen Facetten zu einer Ganzheitlichkeit zusammenschließen.
Das architektonische Konzept: Sparsamkeit, Spannung und Beweglichkeit
Das mobile interaktive micromuseum® ist ein modernes Stück Architektur, das zu der modernen, vielfältigen Persönlichkeit Erich Kästners passt. Es bildet eine Schnittstelle zwischen Architektur, Kunst, Skulptur und Gebrauchsgegenstand. Es verwirklicht eine neuartige, zeitnahe und kommunikative Idee, die zugleich den Vorteil hat, wenig Geld zu kosten.
Nach dem abgewandelten architektonischen Grundsatz "less is more" entwarf der Ideengeber und Planer Ruairi O'Brien ein in mehrfacher Hinsicht ressourcensparendes, autarkes Kleinhaus, in dem sich Besucher unterschiedlicher Generationen spielerisch die komplexe Kästner-Welt erobern können. Die "begehbare Schatztruhe" verknüpft Tradition und Moderne, kombiniert sinnlich erfahrbare Museumsinhalte mit neuester Medientechnologie.
Angesprochen werden damit zentrale architektonische Themen dieses Jahrhunderts, etwa: "Wie viel Haus braucht ein Mensch?", "Welche modellhaften ergonomischen "Pionierlösungen" vergleichbar etwa ersten Raumschiffen oder U-Booten sind angesichts von steigender Umweltzerstörung, abnehmendem individuellem Raumvolumen und zunehmendem Bedarf an Beweglichkeit und Effektivität angemessen?" "Wie setzt man Alt und Neu, Vergangenheit und Zukunft, die Geschwindigkeit von realer und virtueller Welt in einen fruchtbaren Dialog?"
Der reale, zu minimalem Platzverbrauch maßgeschneiderte Museumsraum besteht aus einem Kern, der neben Multimediatechnik (PC mit Internetzugang, TV, Video, CD, MC) auch Ausstellungsfläche für Originalexponate und eine kleine Bibliothek mit bis zu 300 Büchern bietet, sowie 13 mobile Säulen, deren Innenteile mit Schubladen, Schubern und Vitrinen für Ausstellungsobjekte zum Anfassen bestückt sind.
Dieses kleine Haus ist an sich ein neuartiges Haus im Haus, das nun gleichzeitig in dem großen realen Haus der alten Welt, der Villa Augustin, und dem virtuellen "Globalhouse" ein zu Hause gefunden hat.
Der einzelne Besucher ist dazu eingeladen, ganz nach Lust und Laune und individuellem Tempo die lebensgroßen Museumsbausteine voneinander zu lösen und "dahinterzuschauen", sich in einzelne Objekte zu vertiefen. Jeder dieser Bausteine ist ein selbständiges Objekt, das gemeinsam mit den übrigen Elementen wiederum ein autarkes Ganzes bildet (13+1=15). Durch die freie Beweglichkeit der Säulenelemente hinterlässt jeder Besucher ein anderes choreographisches Bild.
Ist er durch die Schale zum Kern vorgedrungen, gelangt der Besucher am Computer-Arbeitsplatz aus dem sinnlich erfahrbaren in den virtuellen Globalraum, der eine ständig wachsende, einmalige Datenbank zu Leben, Werk und Werkrezeption Erich Kästners sowie die Kommunikationsmöglichkeit mit der Kästner-Gemeinde weltweit anbietet. Durch den langsamen physikalischen Öffnungsprozess wird ein Ausgleich zur Geschwindigkeit der Neuen Medienwelt geschaffen. Das sparsame Gesamtkunstwerk wurde nach dem Bausteinprinzip entworfen und wird in Entsprechung in mehreren Etappen je nach vorhandenen Geldmitteln und Inhalten gefertigt bzw. gefüllt. Es ist ein wachsendes "lernendes Museum", das auf die Besucherbedürfnisse reagieren kann.
Pressemeldung-Feb.2003
"Lebendige Dinge sind nicht lückenlos"
"Geburtstagsgeschenk": 3 Jahre Erich Kästner Museum Dresden Spiritus Rector erhält Ausstellungspreis
News
Der Geburtstag Erich Kästners jährt sich am 23. Februar zum 104. Mal. Genau an diesem Tag vor drei Jahren wurde das Dresdner Erich Kästner Museum in der Villa Augustin eingeweiht. Nun erhält Ruairí O´Brien, Schöpfer und architektonischer Gestalter des Museums, just im Geburtstagsmonat den bundesweit erstmalig ausgeschriebenen Ausstellungspreis 2002 der Heinz und Brigitte Schirnig Kulturstiftung.
Die Preisverleihung
Experten aus Bereichen der Gestaltung, der Museologie sowie aus bundesweiten Kultur- und Bankstiftungen, u.a. Dr. Heinz Schirnig als Vorsitzender des Kuratoriums der Kulturstiftung hbs, entschieden sich einstimmig für das Projekt des irischen Künstlers und Architekten. Alle zwei Jahre werden jüngere KuratorInnen diese Ehrung für besondere Qualität, Kreativität und Originalität im Ausstellungsbereich erhalten.
Was ist das Besondere am Erich Kästner Museum? Der 40-jährige Ruairí O`Brien setzt mit seiner Arbeit den Akzent auf junge, dynamische Museumsatmosphäre. Die von ihm entwickelte Marke des micromuseums lebt von Minimalismus und Multifunktionalität. Sie bildet eine Schnittstelle zwischen Architektur, Kunst, Skulptur und Gebrauchsgegenstand. Damit hat er ein autarkes Gesamtkunstwerk geschaffen, eine Informationsskulptur, ein mobiles, interaktives Werkzeug, das seinesgleichen auf der Welt sucht. Sein Konzept geht auf. Bisher besuchten nahezu 25.000 Gäste aus aller Welt das Museum. Neben diesem realen Museum wird ein 1:1-Virtualmuseum für Erich Kästner aufgebaut, das weltweite Informationsmöglichkeiten bietet. Mobilität und Funktionalität bis ins letzte Detail.
"...In seinem Anspruch, ganz klein und doch groß zu sein, setzt dieses Museum Maßstäbe. Denn es tritt an in einer Zeit, in der nicht wenige Museumsmenschen denken, dass Ausstellungen nur dann wahrgenommen werden, wenn Superlative geboten werden ... Ruairí O´Brien setzt auf die Lust am Entdecken, am Lernen, mit seinem kleinen Museum bietet er den Besuchern etwas scheinbar sehr Altmodisches an: die Chance zu lernen, zu entdecken, sich zu bilden... Er akzeptiert das Tempo der modernen Zeiten und zugleich offeriert er den Charme der Langsamkeit. Individualität und hoch ausdifferenzierte Besucherbedürfnisse werden in diesem kleinen, aber ganz großen Museum ernst genommen ..."
(aus der Laudatio von Dr. Judith Oexle, Landesarchäologin, Museumsdirektorin)
"... Architektur und Literatur: Das wäre ein Thema, wenn es nicht schon ein Thema wäre
nämlich im Kästner Museum. Hier war ein Didaktiker am Werk: ein Museumsdidaktiker. Ein Museum nicht zum Abstauben, sondern zum Anfassen, nicht zum Bestaunen, sondern zum Staunen, nicht zum Abhaken, sondern zum Einklinken. Von Link zu Link ..."
(aus der Eröffnungsansprache von Prof. Dr. Volker Ladenthin, Präsident der Erich Kästner Gesellschaft München e.V. anlässlich der Preisverleihung am 05.02.2003)
Der Preisträger Ruairí O´Brien: "Der Aufbau aus verschiedenen Bausteinen und Collageteilen gleicht einem Menschenleben, beinhaltet einen organischen Prozess, ist ergänzbar und niemals perfekt oder lückenlos."
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